Canisius-Denkmal, -Altar

Bildbeschreibung
Jahr: 1897
Ort: Augsburg
Standort / Besitz: Dom
Verbleib: erhalten
Material: Holz
Maße in cm: Canisius 128x55, Muttergottes 110, Statuetten H ca.42, Relief 59x98
Art: Statuen, Statuetten, Relief
Werkgruppe: S2a Altäre und Altarfiguren
Werkgeschichte: Im gotischen Dom zu Augsburg wurde ein Canisius-Denkmal errichtet „zur dankbaren Erinnerung an dessen reichgesegnete Tätigkeit als Domprediger und Jugendlehrer Augsburgs errichtet an seinem 300 jährigen Todestage, 21. Dezember 1897“. Ein erster Entwurf ist einem frühbarocken Altar des Doms angenähert, ein zweiter hat gotische Elemente. Beide ca. 1 m hohen Entwürfe sind erhalten. Wohl auf Wunsch des Domkapitels wurde die Denkmalumrahmung in spätgotischem Stil ausgeführt. Insbesondere die mittlere Figur des hl. Canisius ist jedoch im schlichten Stil des Realismus ausgeführt. Bei den acht Statuetten in den seitlichen Säulen war Ignaz Taschner Mitarbeiter von Busch. - Das Canisius-Denkmal von 1897 erregte seinerzeit Aufmerksamkeit. Papst Leo XIII. ehrte den Künstler dafür durch Verleihung der Papst Leo XIII.- Medaille. Busch bedankte sich mit einer Replik seiner Leo XIII.-Büste, die er bereits 1887 gestaltete. - 1925 wurde das Denkmal zum Canisius-Altar umgebaut, indem Busch für eine Predella seitlich zwei Bronzereliefs mit je zwei Evangelisten und ein bronzenes Altarkreuz schuf (im Dom-Depot noch erhalten). Die Denkmal-Mensa auf vier Säulen mit dem Canisius-Relief von Busch stand nicht mehr auf Sockel und Stufen. [Rummel, P. 1996, Abb. 95-96] - Bei der Domrestaurierung 1934 wurden die Kreuzblumen und Krabben des Maßwerks herausgebrochen und alles grau gestrichen. Vor 1963 notierte Dr. Karl Busch: "Die Farbfassung der Figuren teils wiederhergestellt, die Bronzen schwärzlich, sonst steingrau u. gold." 1963 wurde das neugotische Maßwerk ganz entfernt und die vorhandenen, wieder farbigen Figuren an einem rechteckigen roten Retabel (235x155 cm) angebracht. 1988 erfuhr der Altar eine farbliche Umgestaltung.[s. Chevally: Dominventar, 1995].
Auftraggeber: Domkapitel durch Domprediger GR Steigenberger.
Ikonographie / zum Dargestellten: Petrus Canisius SJ, geb. 1521 in Nymwegen, gest. 1597 in Fribourg/Schweiz, stud. phil. und theol. in Köln, als Jesuit 1546 zum Priester geweiht, war 1547-49 Konzilsberater in Trient und Mitarbeiter des hl. Ignatius, lehrte Theologie ab 1549 in Ingolstadt, war Hofprediger in Wien ab 1552, stand der oberdeutschen SJ-Provinz vor, war päpstlicher Nuntius, 1559 bis 1566 Domprediger in Augsburg, lehrte in Straßburg, München, Dillingen, reformierte das Schulwesen, verfasste einen Katechismus, den lange und weit verbreiteten "Canisi", war 1571-1577 Hofprediger Kaiser Ferdinands II., gründete eine Reihe von Jesuiten-Kollegien und bekämpfte den Kalvinismus in der Schweiz.
Werkbeschreibung: Die Mittelfigur des gotischen Altaraufbaus stellt den sel. (nach Kanonisierung 1925 den hl.) Petrus Canisius dar, den großen Glaubenserneuerer der Gegenreformation. Die Schlichtheit des Gewandes und der gesamten Figur war auffallend in einer Zeit, in der noch gotisierend gearbeitet wurde. Der hl. Canisius hält mit beiden Händen dem Betrachter das Kruzifix entgegen. Er wird als zweiter Samuel bezeichnet, daher steht neben seinem Namen „Sirach 46, 16-17“. Über der Canisius-Statue war der Kopf seines Schülers, des hl. Stanislaus Kostka in das Maßwerk eingefügt. Vom oberen Teil des Auszugs blickte die gekrönte Muttergottes mit dem Jesuskind herab. Das Gebet zweier seitlicher Engel mit Spruchbändern „Ein Herr - ein Glaube“ und „Ein Hirt - eine Herde“ war bis 1963 zu Jesus gerichtet. An dem roten Retabel von 1963 richten die Engel ihr Gebet nach oben. Die Spruchbänder sind entfernt. Beiderseits der Canisius-Statue standen im neugotischen Denkmal und Altar in Nischen der beiden seitlichen Säulen auf zwei Ebenen acht Statuetten, je zwei beieinander. Diese zieren nun übereinander angebracht das Retabel zu beiden Seiten von Canisius. Es sind Personen, die Canisius wichtig waren: Georg und Ursula Fugger unterstützten ihn, der Geldbeutel hängt am Gürtel (unten links und rechts), Herzog Wilhelm V., hier mit Gemahlin, berief ihn 1549 an die Universität Ingolstadt (links 2. und 3. von unten), Kardinal Otto von Truchseß holte ihn als Domprediger nach Augsburg (1559-66) und Bischof von Hutten nahm ihn liebevoll auf (rechts 2. und 3. von unten). 1562 wurde Canisius von Papst Pius V. (oben links) zum Konzil berufen und beauftragt, die protestantischen Schmähschriften zu bekämpfen. Auch Kaiser Ferdinand ist oben rechts dargestellt. Die Wappen der Städte, in denen Canisius wirkte, waren am gotischen Maßwerk eingefügt. - Im Relief, seit 1925 an der Mensavorderseite, sieht man den hl. Canisius Jugendliche lehren. Petrus Canisius hält sein Lehrbuch in der Hand, das später „Canisi“ genannt und in viele Sprachen übersetzt wurde. Die Schüler und die weltlichen Personen im Altaraufbau sind in der Mode des späteren16. Jahrhunderts gekleidet.
Quellen/Literatur: Werkkorrespondenz; - Busch, G.: Liste zu Verlobungsalbum 1902; - Werkkartei; - Fotos NL: Album I/5-21, VII/106; - Foto EOM: linkes Relief von zwei Evangelisten an der Predella, H 53 cm; - Postkarte von Buschs Canisius-Statue und dem Relief Literarisches Institut Huttler/Seitz, Augsburg; - Ausführung der 8 Statuetten von Bildhauer Ignaz Taschner. In: Schiedsspruchbegründung vom Schiedsgericht X München, (10. 6. 1912), S. 126; - Die Canisiusfeier in Augsburg 1897. Broschüre Buchhandlung Seitz 1898. – Die Canisiusschule. In: Die katholische Familie 5/12, S. 126 f.; - Der Augsburger Sodale 5/2 (1909), S. 19f. - Doering, O.: Georg Busch. In: CK VIII/6 (1912), S. 152; – Busch, G.: Selbstbiographie. In: Zils, W. (Hg.): Geistiges und kulturelles München in Selbstbiographien. München, 1913, S. 46; - Doering, O.: Arte cristiana II/8 (1914), S. 230; - Ders.: Georg Busch. München, 1916, S. 63 f.; - Canisius bei der Christenlehr. In: Süddt. Woche. Bilderbeilage der Augsburger Postzeitung Nr. 21 (1925), S. 2. - Abb. Mensarelief vom Canisiusaltar. In: Manna 43/1 (1926), S. 3; - Petrus Canisius-Denkmal. In: Dressler (1930), S. 143; - Postkarten des Literar. Instituts Dr. M. Hutterer, M. Seitz, Augsburg: Dom Inneres und Relief Canisius, ca. 1960; - Lieb, N. u.a.: Der Dom zu Augsburg. Augsburg: Vlg. multi-druck J. Hannesschläger (1966,2), Abb. S. 164 Relief; - Chevally: Dominventar. 1995, S. 211, Abb. 330; - Rummel, P.: Festband für Petrus Canisius 1996, S. 276-280, Abb. 96, - Busch-Hofer, R.: Bildhauer Georg Busch. Lindenberg, 2013, S. S. 46 f., Abb. 54-58, 179; - Klotz, Sabine: Die Regotisierung des Domes. In: Der Augsburger Dom. Hrsg. Diözese Augsburg, München 2014, S. 190, und Abb. Relief Canisius lehrt.