Der verlorene Sohn

Bildbeschreibung
Jahr: 1900
Ort: München-Neuhausen
Standort / Besitz: Privatbesitz
Verbleib: erhalten
Material: Bronze
Maße in cm: H gesamt 97 (Figur 57,5), Pl. 2,5 x 43, Sockel 30 x 63
Art: Figur und Sockelrelief
Werkgruppe: S6e2 Sonstige sakrale Einzelwerke
Werkgeschichte: Bereits an der Akademie beschäftigte sich Busch in einem Relief mit dem Thema „Heimkehr des verlorenen Sohnes“, ebenso um 1900 für ein Tympanon in Pirmasens. Es sind drei Bozzetti erhalten, Vorarbeiten für die Figur des reumütigen Jünglings. Ausstellungen: In der ständigen Kunstausstellung der Münchner Künstlergenossenschaft 1898 war "Der verlorene Sohn" bereits in Gips ausgestellt. Signiert ist die Bronzeplastik mit "Gg. Busch,1900". Bronzegießer Hans Klement verpflichtet sich am 5.5., den Guss spätestens am 5.6. vollständig fertig an die Ausstellung im Glaspalast abzuliefern. in der Busch die Plastik für 6000.- M. anbot (Katalog S. 135 Nr 148). Den gleichen Preis hatte sie 1901 in Prag (=7500 Kronen). In der Kunstausstellung Berlin 1902 wurde die Plastik für 4500.- M und auf der Weltausstellung in St. Louis/USA 1904 für 3800.- M. angeboten, Dort erhielt Busch für die Plastik "Der verlorene Sohn" eine Goldmedaille. 1905 war die Plastik für 3000.- M in der Münchner Konstlergenossenschaft ausgestellt, in Nürnberg 1906 für 3500.- M. Dort nannte Busch als Entstehungsjahr 1899. Auf der Internationalen Ausstellung 1907 in Barcelona sowie auf der Handwerksausstellung 1908 in Darmstadt wurde sie für 3500.- M. angeboten und jeweils mit einer Silbermedaille prämiert. Sie war in der christlichen Kunstausstellung in Regensburg für 2500.- M ausgestellt und 1913 auf der internationalen Kunstausstellung in München, Glaspalast. Eine silberne Staatsmedaille erhielt sie 1914 in Salzburg (für 3000.- Kronen = 2550.- M.). 1922 sah man die Plastik in der Münchner Residenz in der DG-Jubiläumsausstellung für 60.000.- M. 1959 bot sie Karl Busch für 15000.- M. an. Sie ist 2014 noch im Familienbesitz erhalten.
Ikonographie / zum Dargestellten: Gleichnis vom barmherzigen Vater. Lk 15, hier Vers 17-19: innere Umkehr des Sohnes.
Werkbeschreibung: Ein junger Mann kniet auf einem Sockel, auf dem ein Mutterschwein und drei kleinere Schweine im Relief zu sehen sind. Der Mann verbirgt bei tief gebeugtem Kopf das Gesicht in den Händen. Alle Muskeln sind angespannt, daher vermutet man ein starkes Schluchzen. An einem Riemen um die Hüfte ist ein Lendentuch befestigt. Es sind drei Entwürfe vorhanden. Bei allen dreien verbirgt die Person bei tief gebeugtem Kopf das Gesicht in den Händen. Beim ersten Entwurf sitzt die Person, sie erinnert an den „Penseur“ von Rhodin. Beim zweiten kniet sie tief gebeugt auf einem Sockel, an dem Schweine zu erkennen sind. Beim dritten, der in Gips gegossen wurde, kniet die Person aufrechter auf dem Sockel als beim fertigen Werk. Laut Doering (1916) ist die Plastik „eines seiner schönsten Werke, ein Meisterwerk der Menschen- und Seelenschilderung. […] Mit unübertrefflicher Klarheit spricht sich in der Haltung des Jünglings der Gedanke, die Empfindung aus, die ihn ganz beherrschen. Noch vollständig erläutert wird die Bedeutung der Figur durch den Sockel mit den in Relief angedeuteten Schweinen. Buschs Verlorener Sohn ist auch als Aktfigur ein Meisterwerk, gleichzeitig ein Zeugnis für seine hervorragende Materialbeherrschung, die milde schimmernden Flächen des Metalls geben dem Körper Lebendigkeit.“ Max Streese urteilt um Katalog der Ausstellung in Darmstadt 1908: "Ich mächte dieses Stück zu den besten zählen, di die Ausstellung enthält. ... welch tiefe Wirkung hat hier der Künstler mit geringen Mitteln erreicht... Eine Aktstudie, die an Schönheit kaum ihresgleichen in ihrer Art finden dürfte und dabei in nichts idealisiert.".
Abgüsse: Ein etwas kleinerer Abguss vom Original wurde ca. 1980 in Auftrag gegeben für Privatbesitz. Ansonsten gibt es keine weiteren Abgüsse, denn das Modell ist zerbrochen.. Bronzegießerei Klement machte den Guss..
Quellen/Literatur: Werkkartei; - Foto-Album Nachlass: III / 174, 175; - Brewer, M. In: Die Kunst für alle XV (1899/1900), S. 60; - Katalog v. Glaspalast 1900, S. 135, Fr. 1489: verlorener Sohn, Abb.; - (ohne Autor): Goldene Medaille von St. Louis (in Gruppe 16 Bildende Kunst, Gratulation) In: Steinheimer Volksfreund 8/151 (24. 12. 1904), 1. Blatt, S. 2; - Augsburger Postzeitung 283 (16. 12. 1904), S. 6 (Gruppe Bildhauer fehlt!); - Augsburger Postzeitung 286 (20. 12. 1904), S. 11 (in Gruppe 11 Bildhauerkunst: „Georg Busch, Berlin“; Busch in München. In: Der deutsche Steinbildhauer 32 (1904); - Streese, M.: Besprechung im Führer der Hessischen Landesausstellung Darmstadt 1908, S. 31/32; - In: -Darmstädter Zeitung 11.7.1908; - Mainzer Journal; - Großsteinheimer Zeitung 8.8.1908, S.3; - - Die Kunst für alle XXIV (1908/09), S. 86, Abb. S. 213; - Zils, W. (Hg.): Geistiges und künstlerisches München in Selbstdarstellungen, S. 46; - Doering, O.: In: CK 8 (1912) , 6.H., S. 148; - Die Kunst unserer Heimat 1912, 6.Jg., 10.H. Tafel 60; - In: Arte christiana II, Nr. 8 (Milano 15.8.1914), S. 227/228; - Ausstellung in Salzburg, silberne Staatsmedaille. In: CK X /12, 1914, Beilage S. 36; - Doering, O.: Georg Busch. München, 1916, S. 85, Tafel S. 52; - Scheuber, J.: In: Der Gral 10.Jg, 8, S.403; - Wais, J.: In: Über Land und Meer Jg. 62 Nr. 10 1919/20; - Katalog der Jubiläumsausstellung der DG 1922, S. 8, Nr 97: Der verlorene Sohn: Siege; - Sinzig, OFM: Voces de Petropolis (Rio de Janeiro) , 14.Jg. Nr. 6, 16.3.1920, S. 334 erwähnt; - Fuchs, Prof. Dr.: Der 7. Tag (Sonntagsblatt) Nr 11, 6.Jg., Abb. letzte Seite, ; - Döring, O. In: Der Wächter 1923, S. 348; - Rothes, W.: Die Kunst dem Volke Nr. 50, S. 14, Abb. 25; - Kern, G.: In: Natur und Kunst, Abreißkalender zum 30.4., 1./2. 5., S.42, 127; - Wallenborn J.: In: Monatsblätter der Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria 34. Jg. 1927, IX. Heft 9, Text und Abb. S. 259; - In: Deutsche Mädchenzeitung 71. Jg. (Juli 1939) S. 204 f. Abb. S. 195; - Gotzes, A.: In: Kölner Volkszeitung 19.1.1941, Nr. 19; S. 7; - Gotzes A.: In: Düsseldorfer Nachrichten 69.Jg. (14.4.1944) Nr. 103, S. 3; - Busch-Hofer, R: Bildhauer Georg Busch. Lindenberg 2013, S.43, 48, Abb. 8, 174 und Titelbild.