Baldachin-Altar

Bildbeschreibung
Jahr: 1901
Ort: Homburg-Saar
Standort / Besitz: St. Michael
Verbleib: erhalten
Material: diverse Steinarten
Maße in cm: ~700x368x368, Mensa 89x266, Paulus ~90
Art: Reliefs und Statuen
Werkgruppe: S2a Altäre und Altarfiguren
Werkgeschichte: Die Pfarrkirche St. Michael brauchte einen neuen Hochaltar, der vorige war zu klein für die hohe Apsis. König Ludwig I. von Bayern ließ die Kirche im Rundbogenstil 1840 von Architekt Voit erbauen, einem Schüler des Architekten Friedrich von Gärtner. Der Raum besteht aus einer rechteckigen Halle mit einer Apsis. Prinzregent Luitpold von Bayern und der Pfalz stiftete 20.000 Goldmark für einen neuen Hochaltar mit der Vorgabe, dass Georg Busch den Altar nach seinem Entwurf gestalten solle unter der Mithilfe des Münchner Architekten Jakob Angermaier. Der Altar sollte im „deutsch-romanischen Style“ erbaut werden. Im September 1901 wurde er als monumentaler Baldachin - (Ziboriums-) Altar eingeweiht, der sich in den hohen Chorraum harmonisch einfügt. Der Altar ist eine Gemeinschaftsleistung von Bildhauer, Architekt und Pfarrer Breitling sowie mit theologischer Beratung durch den Münchner Prof. Dr. theol. Alois Knöpfler. Der Gipsformator goss die Figuren und Reliefs, auch Kapitelle und eine Säule im April und Mai 1901 in Gips, im Juli wurde der Tabernakel in Bronze gegossen. Der Altar wurde im September 1901 eingeweiht. - Doering kennzeichnet den Altar mit "Einheitlichkeit in Auffasung und Durchführung, zierliche Mannigfaltigkeit der Reliefs im mittleren Teil der Retabelfläche." Weber berichtet 1991 von weiteren Werken Buschs für Altar und Kirche: 1901 kamen sechs Leuchter und dreiarmige Tabernakelleuchter in Homburg an sowie die Modelle für den Opferkasten „Arme Witwe“ auf dem Weihwasserbecken, 1902 die Skulptur „St. Antonius mit dem Jesuskind“, 1903 ein Kruzifix für den rechten Wandarm des Chorbogens. Bis auf den Altar, die sechs Leuchter und die Skulptur ist der Verbleib der weiteren Werke unklar. Die Figur des Hl. Antonius stiftete Prinzregent Luitpold, das Kruzifix Eulalia Breitling, Schwester des Pfarrers. Außerdem schuf Busch 1901 für Homburg das Grabmal des Pfarrers Lederer mit dem im Okt. 1901 gegossenen Bronzerelief Beweinung Jesu (I), das seit Umbettung in den neuen Friedhof 1972 verschollen ist. Die Pfarrei St. Michael wurde 2011 der Pfarrei Fronleichnam in Homburg einverleibt.-
Auftraggeber: Stifter Prinzregent Luitpold; Pfarrer Breitling.
Ikonographie / zum Dargestellten: Eucharistie-Symbole Trauben und Ähren. - Hl. Dreifaltigkeit dargestellt durch Taube, Hand mit Kreuz. - Die Evangelisten sind dargestellt durch ihre Attribute Engel (Matthäus), Löwe (Markus), Stier (lukas), Adler (Johannes).
Werkbeschreibung: Der eigentliche Altar steht unter dem Baldachin. Thema des Altars ist die Eucharistie. Busch stattete den Mittelpunkt des Altares, den unteren und oberen Tabernakel, mit Reliefs aus.[s. S3a] Beiderseits des oberen Tabernakels stehen die Reliefs von je drei Heilige (Figurenblöcke mit Sockel ohne Gesimse 89 x 95 x 31 cm). In der Mitte jeder Seite sind die Namenspatrone der Stifter von Kirche und Altar, des Königs Ludwig I. und des Prinzregent Luitpold, nämlich der hl. Ludwig und der Sel. Luitpold abgebildet. Des Weiteren sind Heilige dargestellt, welche die Eucharistie hervorhoben: links Bernhard von Clairvaux und Johannes Chrysostomus, rechts Papst Gregor der Große und Thomas von Aquin. Darunter ist der Hymnus des Thomas von Aquin zu lesen: „Se nascens dedit socium / conugcens in edulium / se moriens in pretium / se recnans dat in praemium.“ (Bei seiner Geburt gab er sich zum Gefährten, sterbend zum Lösegeld, herrschend gibt er sich als Preis.) Über den Tabernakeln schließt der Altar ab mit einem Relief des segnenden Christus Pantokrator, ein Buch mit den griechischen Buchstaben Alpha und Omega zeigend (Offb. 22,13). Der Text darunter ist von Ps 119 nach heutiger Zählung: „Prope es tu domine. Ps 118,151“. (Nahe bist du, Herr.), Der Altar ist umbaut von einem auf vier roten Marmorsäulen stehenden Baldachin, der sich in der Mitte oben in einem achteckigen Säulenkranz öffnet. Auf den vorderen Ecken des Baldachins befinden sich die Figuren der thronenden Apostel Petrus und Paulus. Auf dem vorderen Rundbogen zwischen den zwei Säulen steht die Aufschrift: „Ecce tabernaculum dei cum hominibus. AP 21,3“ (Siehe, das Zelt Gottes unter den Menschen. Offb. 21,3) Darüber ergibt sich ein Giebeldreieck, auf dem eine besondere Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit zu sehen ist: Die Taube des Hl. Geistes schwebt über der Hand Gott Vaters, die ein einfaches Kreuz hält. Auf der Giebelspitze ist das Symbol des Evangelisten Matthäus, ein Engel, abgebildet. Die anderen drei Evangelisten-Symbole, Löwe, Stier und Adler, stehen auf den drei anderen Giebelspitzen.
Repliken: Die untere Tabernakeltür wurde von Busch als hölzerne Replik 1918 am Herz-Jesu-Altar in Bonn St. Elisabeth nachgestaltet.
Quellen/Literatur: Busch, G.: Liste zu Verlobungsalbum 1902; - Werkkartei; - gipsformator Theodor Kronberger: Rechnung vom 28.9.1901; - Rupp´sche Erzgießerei Hans Klement: Rechnung 1902; - Fotos NL: Album I/30-34; - Fotos EOM: die Modelle der hll. Bernhard v.Clairveaux, 60 cm, Ludwig , 45 cm, Joh. Chrysostomus, H 60 cm, Gregor, 45 cm, des sel. Luitpold , 65 cm; - Postkarte „Die arme Witwe“ von der Ges. f. chr. Kunst G.m.b.H.; - Käß, J.: die III. Ausstellung der DG.. In: CK I, (1904/05), S. 50 und 3 Abb.; - Doering, O.: Georg Busch. In: CK VIII/6 (1911/12), S. 149; - Busch, G.: Selbstbiographie. In: Zils, W. (Hg.): Geistiges und kulturelles München in Selbstbiographien. München, 1913, S. 46; - Doering, O.: Georg Busch. München, 1916, S. 20 und 4 Abb.; - Über die Tabernakel-Türen. In: Regensburger Morgenblatt 31. 8. 1904, S. 4; - Weber, W.: Historische Ausgestaltungen der Pfarrkirche St. Michael, Homburg 1991; - Limburg, P. H., MSC: Der Baldachin-Altar in St. Michael, Homburg. Homburg 2009; -Informationen vom ehem. Kirchenrechner Labbat; - Busch-Hofer, R.: Bildhauer Georg Busch. Lindenberg, 2013, S. 47, Abb. 61 u. S. 130f; - Druck der Planzeichnung eines neugotischen Baldachin-Altars im NL.