Bischof Paul Leopold Haffner

Bildbeschreibung
Jahr: 1902
Ort: Mainz
Standort / Besitz: Dom
Verbleib: erhalten
Material: Stein
Maße in cm: 450x220, Bischof 160x120
Art: Denkmal
Werkgruppe: S1 Bischofsdenkmal
Werkgeschichte: Busch hatte sich für die Anfertigung von Entwürfen im Atelier die Architektur der Denkmalumgebung verkleinert aus Holz gebaut. - Das Denkmal wurde rechts neben dem Eingang im nördlichen Querschiff nahe dem Grab des Bischofs unter einem barocken Kruzifix von 1653 aufgestellt. So blickte der Bischof betend zu diesem. Ca. 1970 wurde wegen Orgeleinbau das Kruzifix entfernt, das der Blickpunkt des Bischofs war.
Auftraggeber: Domkapitel
Ikonographie / zum Dargestellten: Bischof Paul Leopold Haffner (1829-1899) war in Schriften und Reden höchst bemüht, die Folgen des Kulturkampfes wieder gut zu machen. 1886-1899 war er nach langer Sedisvakanz des Bischofsstuhls Bischof von Mainz. Der Vorgänger Bischof Ketteler war von 1873 (?) bis zu seinem Tod 1877 inhaftiert.
Werkbeschreibung: Busch hatte sich für die Anfertigung von Entwürfen die architektonische Situation des Ortes im Atelier verkleinert aus Holz gebaut. Das Denkmal steht im nördlichen Kreuzarm nahe der Krypta des Domes zwischen Eingang und westlicher Wand. Die ca. 1970 eingebaute Orgel reicht auch über das Denkmal. Daher fehlt nun das barocke Kruzifix über dem Denkmal, welches mit reicher Renaissancerahmung in zwei oben halbrund abschließenden Teilen gestaltet ist. Der Bischof kniet links. Er hat die Insignien seiner Würde, Stab, Mitra, Handschuhe und Ring vor sich niedergelegt. Seine Hände sind gefaltet und der Blick ist nach oben gerichtet. Die Blickrichtung des Bischofs hat jedoch ohne das Kruzifix keine Bedeutung mehr. Rechts, ihm gegenüber, kniet eine Engelsfigur, die zum ehemaligen Kreuz hinweist. Busch hat bei allen sieben Bischofsdenkmälern Haltung, Gesicht und Hände getreu der Person porträtiert, die Muster im Brokat der Pluviale fein ausgeführt, die Gesamtgestalt und die Gewandung jedoch in wenigen großzügigen Linien komponiert. Die Denkmäler harmonieren stilistisch mit der Umgebung und bleiben in ihrer einfachen Linienführung der Figuren zeitlos. Zeugnisse von Kunsthistorikern zum Denkmal für Bischof Haffner: Oscar Doering 1909: „Das Grabmalmodell stellt Busch neben beste ältere Meister.“ Ders. 1914: „Der Kopf Haffners gehört […] zu den besten Bildnisleistungen der Neuzeit. “ K. Bone 1909: „Besonders ist es dem Künstler gelungen, die ernste Inbrunst und die geistvolle Fröhlichkeit ohne Widerstreit zum Ausdruck zu bringen, die in dem Verstorbenen zu einer so seltenen Einheit verschmolzen waren.“ Hugo Schnell 1937: „Die deutsche Kunst besitzt sehr wenige Darstellungen eines kernhaft betenden Mannes. Busch gelang dieser Wurf im Mainzer Grabmal für Bischof Paul Leopold Haffner.“
Quellen/Literatur: Werkkartei; - Fotos NL: Album IV/13, VII/401-402; - Anonymus: Mainzer Journal Nr. 263 (12. 11. 1902), S. 1; - Doering, O.: Die Düsseldorfer Ausstellung 1909. Ausstellung christlicher Kunst. In: Allgemeine Rundschau 31 (31. 7. 1909), 521; - Ders.: Georg Busch. München, 1916, S. 69 m. Abb.; - Anonymus: In: Sonnenland (15.9.1914), 301 f. m. Abb.; - Bone, K.: Die großen Kunstausstellungen in Düsseldorf 1909. In: CK V/11 (1908/09), S. 323; - Anonymus: In: III. Jahresausstellung der DG im Domkreuzgang zu Regensburg 1904, Katalog 23, S. 10; Mader, F. In: DG-Jahresmappe 1905, Tafel V, S. 15; - Ausstellung christlicher Kunst, Düsseldorf 1909, Katalog S. 66, Abb. S. 24; - Bone, K.: Ausstellung Düsseldorf. In: CK V/12 (1908/09), S. 321 ff., Abb. S. 367; - Festgabe des Vereins f. christliche Kunst in München 1860-1910, München 1910, S. 161, Abb. 56; - Doering, O. In: Allgem. Rundschau Nr. 31 (1909), S. 521; - Doering, O. In: CK VIII/6 (1911/12), S. 145; Jansen 1912, S. 86; - Die Kunst unserer Heimat, 6,10 (1912), Tafel 59; Mainzer Journal 1912, Nr. 280, 3. Blatt; Doering,O. In: Salonblatt, 8/6, Abb. Titelblatt; - Doering,O. In: Arte cristiana II/8 (1914), S. 232 f.; - Scheuber, J. In: Der Gral, 10, 8 (1916), S. 404; Doering, O.: Georg Busch. München, 1916, S. 69, Abb. S. 64; CK XIV (1917/18), Heft 4, S. 108; - Trampe in: Der Pionier, 5/11 (1913), S. 85, Abb. S. 84; - Sonnenland 3,18 (15. 9. 1914), S. 301 ff.; - Rothes, W.: Georg Busch. In: KdV 50 (1923), S. 22, Abb. 19; - Dressler, W.O.: Kunsthandbuch, Berlin,1930 II, S. 143; - Schnell, H.: In Germania 71 (12. 3. 1937); - Becher, J.: Ein "kernhaft betender Mann". In: Bonifatiusbote, Der Sonntag, Glaube und Leben, Kirchenzeitungen der Bistümer Fulda, Limburg und Mainz, 11. 10. 2009; - Busch-Hofer, R.: Bildhauer Georg Busch, Lindenberg, 2013, S. 45, Abb. 196, 199.