Kreuzweg III

Bildbeschreibung
Jahr: 1906 /07
Ort: Ahrweiler
Standort / Besitz: St. Laurentius
Verbleib: erhalten
Material: feinkörniger "Offenstetter Kalksstein"
Maße in cm: 80x60x15
Art: Reliefs
Werkgruppe: S3b Kreuzwege
Werkgeschichte: Die Kirche St. Laurentius in Ahrweiler ist eine der ältesten Hallenkirchen. An den Emporen und Wänden sind Bilder mit Szenen aus dem AT von 1248, auch spätere. 1903 wurde die Kirche einer Grundrenovierung unterzogen. Fehlende Bildteile ergänzt, die Wände mit Mustern oder Blattwerk bemalt. In der Chronik der Pfarrei ist zu lesen: „Kreuzweg in der Pfarrkirche: 14 Reliefbilder, Sandstein 60 x 80 cm; Umrahmung Marmor. Prof. G. Busch, München Einbau: Lancier, Ahrweiler, 1906. Weiheurkunde 16.Juni 1907.“ Ab März 1907 sandte Busch die noch fehlenden sechs Stationen. Als Material nahm Busch den feinkörnigen weißen Kalk(sand)stein aus Offenstetten südlich von Kehlheim, mit dem Busch auch für Kravare gearbeitet hat. Die neugotischen Rahmen zu den weißen Kalksteinreliefs wurden auf Wunsch der Auftraggeber in mittelrheinischer gotischer Art von Fa. Lancier aus grauem Tuffstein nach Buschs Zeichnung gefertigt. Heute sind die Rahmen farbig bemalt. Ein erster einfacher Rahmenvorschlag von Busch war nicht gotisch geprägt.
Auftraggeber: Pfarrei über DG-Mitglied Robert Kreuzberg, Frankfurt a.M., Kaufmann,1905.
Werkbeschreibung: Es handelt sich um die erste Ausführung der Motivreihe III von Buschs Kreuzwegen. Eine Beschreibung ist in einem Zeitungsartikel über die Einweihungsfeier zu lesen: „Freilich ist mehrfach auch ein Abweichen von tradierter Darstellung zu bemerken, so bei der 6. Station, wobei der Moment gewählt ist, wo der Erlöser das Schweißtuch an sein Antlitz presst, statt des bisher üblichen, wenn Veronika kniend dasselbe darreicht; der Künstler hat aber gerade durch den spannenden Zug im Gesicht der Veronika den Hergang des Wunders des Gesichtsabdruckes deutlich geschildert; - ferner bei der Kreuzigung, bei welcher Christus bei aufgerichtetem Kreuze, an welches er vorher mit Stricken gebunden worden, an dasselbe genagelt wird; […] auch ist das Kreuz niedrig dargestellt, dem Ergebnis neuerer Forschung entsprechend.“ Der Autor bezeichnet Georg Buschs Stil 1907 als gemäßigt modern: „Man kann verschiedener Meinung darüber sein, ob man anstatt der zur Moderne neigenden Behandlung der Bilder eine mehr die mittelalterlichen Bildwerke nachahmende hätte wählen sollen. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass im 20. Jahrhundert die Wahl eines gemäßigten modernen Stiles wohl gerechtfertigt ist.“
Repliken: 1906 f: laut Werkkorrespondenz ein Kreuzweg aus feinkörnigem Kalksandstein für ein englischsprachiges Land, gestiftet von Graf Arco. Ort und Verbleib sind unbekannt. - 1909 Aichach bei Augsburg, Maria Himmelfahrt. Feinkörniger Offenstetter Kalksandstein, leicht getönt. Maße: 105 x 80 x 15 cm. Die Stationen wurden in die Wand versenkt. Sie waren von ihr durch leichte Tönung und durch braune Umrandung der Nischen abgegrenzt. - Doering beschreibt: „Sehr vereinfachte Bilder. […] Die Andeutung der Örtlichkeit bei den Hintergründen dieser Reliefs zeigt sich aufs äußerste vereinfacht. Die Personen sind kräftig charakterisiert, in aller Leidenschaft zurückhaltend.“
Abgüsse: Terrakotta-Abgüsse: 1908: Illerbeuren bei Memmingen. Als Terrakotta-Guss kam diese Motivreihe ohne Fassung und Rahmen in die Dorfkirche an der Iller. Die Farbe ist die von rötlich gebranntem Ton. - 1908 für Vinningen bei Pirmasens. Der Kreuzweg ist kriegszerstört. - 1910 München, von Prinzessin Arnulf von Bayern für das Wittelsbacher Palais, dann an die Fronleichnamskapelle (Türkenstr. 2) vermacht, Terrakotta, polychrom gefasst, vergoldete Rahmen, 65 x 45 cm, ca. 1938 dunkelbraun gestrichen, kriegszerstört. - 1911 Kreuzweg von Herrn Walser München bestellt. - 1907 für Königseggwald bei Aulendorf . Busch entwarf die noch vorhandenen Bildstöckl am Weg zu einer Kapelle. 1945/46 wurden die Reliefs der Stationen von den Besatzern mutwillig zerstört, danach durch andere ersetzt. - 1918 für Gurk/Kärnten. Durch DG-Mitglied Benediktinerpater Odilo Otten von Gurk kam ein leicht getönter Terrakotta-Kreuzweg der gleichen Motivreihe in Stationshäuschen an der Friedhofsmauer nach Gurk. Der Architekt wünschte, dass sie oben abgerundet sind. Sie dienen als Privatgrabmäler. - 1926 für Frankenthal-Studernheim bei Ludwigshafen, St. Georg. Terrakotta, Maße: rd. 60 x 45 x 9 cm. Der Kreuzweg später in kräftigen Farben gefasst. - Auftrag durch eine Möbelfirma in Herxheim.
Quellen/Literatur: Werkkorrespondenz; - Werkkartei; - Fotos EOM Kw 03: Modelle der Stationen II, III, V, VIII, IX, X, XI, XIII, XIV, H 76-77 cm; - Anonymus: Der Kreuzweg unserer Pfarrkirche. In: Ahrweiler Zeitung (8. 6. 1907), S. 1; - Chronik der Katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius Ahrweiler. Nr. 121; - Busch-Hofer, R.: Bildhauer Georg Busch. Lindenberg, 2013, S. 57 f., Abb. 207.