Herz-Jesu-Altar

Bildbeschreibung
Jahr: 1918
Ort: Bonn
Standort / Besitz: St. Elisabeth
Verbleib: erhalten
Material: Holz
Maße in cm: 110x555, Heilige H ~90, Christus 110
Art: Reliefs, Figur
Werkgruppe: S2a Altäre und Altarfiguren
Werkgeschichte: Die St. Elisabeth-Kirche in der Bonner Südstadt wurde vom 1.5.1906 bis 2.2.1910 (Einweihung) in neoromanischem Stil errichtet. Architekt war Ludwig Becker, Mainz, der alles bis ins Detail plante In der rechten Seitenapsis sollte Busch einen Herz-Jesu-Altar mit fünfunddreißig Heiligenfiguren gestalten. Es war nicht einfach, die Heiligen in eine gute Komposition zu bringen. Es gelang Busch bei seinem zweiten Entwurf, als er auf beiden Seiten, durch Säulchen getrennt, Gruppen von dreimal je etwa fünf Heiligen einteilte (je 110 x 238 cm), die zu Christus kommen. Auch konnte das Holz dadurch ohne Riß arbeiten. Im letzen Kriegsjahr konnte kein Maler und Vergolder gefunden werden. Daher nahm Busch selbst diese Arbeiten vor. Als im Juni der Altar fertig im Atelier stand, kamen Leute zur Besichtigung, weil in der Zeitung öffentlich dazu eingeladen worden war. Auch Nuntius Pacelli war am 30.6.1918 im Atelier und besichtigte den Altar. Später beauftragte er Busch für den Altar in der Nuntiatur in Berlin, war dazu erneut im Atelier.
Auftraggeber: Pfarrer Custodis über Architekt Becker, Mainz
Ikonographie / zum Dargestellten: Die Herz-Jesu-Verehrung besteht schon seit Meister Eckhard. 1856 belebte sie M. Margarete Alacoque. 1899 weihte Papst Leo XIII. die Welt dem Hl. Herzen Jesu. Die deutschen Bischöfe weihten am 10. Jan. 1915, als der Erste Weltkrieg herrschte, Deutschland dem Hl. Herzen Jesu: Das Herz Jesu ist "der universale Sitz der Gemeinschaft mit Gott Vater, der Sitz des Hl. Geistes", der Liebe Gottes.
Werkbeschreibung: Von rechts kommen Maria, Josef und Magdalena mit dem Salbgefäß, anschließend Märtyrer, die hl. Agnes mit dem Lamm, der hl. Knabe Tarcisius mit dem Hostienbehälter, Barbara mit dem Turm und der Patron von Bonn, der römische Soldat Cassius mit dem Drachen. Als zweite Gruppe folgen Heilige der tätigen Nächstenliebe: Franz von Assisi, Elisabeth von Thüringen, Vinzenz von Paul, im Hintergrund Kaiserin Helena als Erbauerin des Bonner Münsters, St. Martin, Adelheid und Johannes von Gott. In der dritten Gruppe sind es lokale Heilige: Wendelin, Notburga, Maternus, Petrus Canisius. – Von links kommen Johannes der Täufer, Johannes der Evangelist, Petrus, Paulus, Stephanus, dann die Gruppe der Kirchenlehrer Ambrosius, Augustinus, Thomas von Aquin, dazu Bonaventura und Franz von Sales. Bernhard ist der Namenspatron des damaligen Pfarrherrn. Den Schluss bildet eine Gruppe von weiblichen Heiligen: Klara mit Monstranz, Gertrud von Helfta mit Buch, Katharina von Siena mit Dornenkrone, Theresia von Avila mit der Taube, zuletzt Maria Margarete Alacoque und Mère Barat. Sie alle verehrten das Herz Jesu. Die Charakterisierung der Figuren ist deutlich. Jedem gab Busch das erklärende Attribut. Die vereinfachten weichen Formen der Gewänder bringen Ruhe in die gesamte Gestaltung. Busch soll in einigen Figuren Personen seiner Familie im Porträt verewigt haben (mündlich überliefert von Karl Busch): möglicherweise sich selbst im Vinzenz von Paul, der Buschs Jüngste (Mariele und Hans, geb. 1914 und Ende 1916) vor sich hält, in der hl. Agnes sollen seine Tochter Bettina (geb. 1907), im Tarcisius Sohn Georg (geb. 1909) und in der hl. Maria seine Frau Marie dargestellt sein. Die Figurengruppen sind in heller Färbung vor dunkelblauem Hintergrund gehalten. Es ist ein angenehmer Farbenklang, der gesteigert wird durch das warme Rot von Jesu Gewand mit dem goldenen Herzen und dem Gold des Nimbus, der Säulchen und des waagrechten, 33 cm breiten Zierfrieses am oberen Rand. Da 1918 wegen Krieg kein Fassmaler zu haben war, vollzog Busch die Farbgebung selbst. Der Zierfries hält den ganzen Altar im Halbrund der rechten Seitenapsis zusammen. Über der zentralen Figur Christus ist der Fries bogenartig erhöht. „Dadurch, dass der Meister das Architektonische seiner Werke selbst entwirft, kommen sie zu einer bedeutenden Einheit in Architektur und Plastik. Ein guter Einfluss der praktischen Übungen [und Vorlesungen] bei [Architektur-] Professor Friedrich von Thiersch“, vermutet Walther Rothes 1923. Georg Busch gestaltete eine sitzende, thronende Herz-Jesu-Figur. Das war neu. Bisher gab es stehende Herz-Jesu-Figuren. Doch mit der sitzenden Position ist Jesus Christus dem Betrachter näher. Er breitet seine Arme aus, den Menschen entgegen und blickt über deren Köpfe, damit sich auch die letzten angesprochen fühlen. Einen ähnlichen thronenden Christus schuf Busch bereits 1907 als Christus Consolator für das Grabmal Abel und für das Grab seines Schwiegervaters 1923, des Familiengrabes Busch. [s. S7a] Der Tabernakel ist eine hölzerne Replik des Tabernakels von St. Michael in Homburg-Saar (siehe dort).
Repliken: Das Motiv des thronenden Christus als Herz-Jesu-Figur (Christus sitzt auf einem Thron. Er breitet seine Arme einladend zu den Menschen aus, auf seiner Brust ist plastisch ein Herz mit Verzierung) wiederholte Busch des Öfteren: 1919 für CH Tafers (verschollen), 1920 für Birkenau, 1922 für Dillhausen, 1929 für Geseke St. Cyriakus. Letztere steht heute in der Marienkirche von Geseke.
Abgüsse: 1920 gestaltete Busch die thronende Herz Jesu-Figur als Kleinplastik für polychromiertem Gipsguss und Porzellanguss..
Entwürfe: Zum Herz-Jesu-Altar machte Busch erst einen Entwurf, der ihm nicht gefiel. Die Heiligen kommen beiderseits jeweils in einer großen Gruppe (Fotos vorhanden). Erst die Dreiteilung der Gruppen war für Busch die Lösung.
Quellen/Literatur: Werkkorrespondenz; - Werkkartei; - Fotos NL: Album I/48-73, VII/114-119; - Doering,O.: Werke v. Georg Busch aus den letzten Jahren. In: CK XII/9 (1915/16), Beilage S. 29; - Ders.: Ein neues Werk von Georg Busch. In: CK XIII/9 (1916/17,), Beilage S. 46. Ders.: Ein neues Altarwerk. In: Allgemeine Rundschau 15 /32 (1918), S. 461; - Lill, G.: Ein neues Werk von Prof. Georg Busch. In: Bayerischer Kurier Nr. 178 (28. 6. 1918), S. 3, und in: Neues Münchner Tagblatt 142/182 (2. 7. 1918), S. 2; - Doering, O.: Ein neues Meisterwerk christlicher Kunst. In: Regensburger Anzeiger Nr. 325 (1918), S. 3; - Rothes W.: Ein hervorragendes Werk christlicher Kunst. In: Kölnische Volkszeitung 59 /540 (1918), S. 1; - Staudhamer, S.: In: CK XV (1918/19), Beil. S. 22; - Wurm, A.: Der neue Bonner Herz Jesu Altar. In: Augsburger Postzeitung (10. 7. 1918); - Doering, O.: Der Herz Jesu Altar in der St. Elisabethkirche zu Bonn. In: Der Sendbote des göttlichen Herzens Jesu 55 / 4-5 (1919), S. 78 f.; - Jahresmappe 1921 der Dt. Ges. f. chr. Kunst (1921), S. 5 f.; - Rothes, W.: Georg Busch. KdV 50, S. 20; - Mertz Thomas u.a.: Die Kirche Sankt Elisabeth in Bonn. Katholische Pfarrgemeinde St. Elisabeth. (o. Jahr) S. 20 f.; - Die Bonner Elisabethkirche und ihre Kunstwerke. Mäppchen mit 14 Tiefdruck-Postkarten, vermutl. von d. Ges. f. chr. Kunst m b. H; - Sachsse-Schadt, Ros: Bonn Pfarrkirche St. Elisabeth. Schnell Kunstführer 1251, München 1980, S. 10; - Kath. Pfarrgemeinde St. Elisabeth, Bonn (Hrsg.): 75 Jahre St. Elisabeth Bonn. Eigenveerlag 1985, S. 38-39.- Informationen von Hedwig Nosbers; - Busch-Hofer, R.: Bildhauer Georg Busch. Lindenberg, 2013, S.52, Abb. 68, 211.