Beweinung Jesu III / ehem. Kriegergedächtnisaltar

Bildbeschreibung
Jahr: 1922
Ort: Bamberg
Standort / Besitz: Dom Nagelkapelle
Verbleib: erhalten
Material: Holz
Maße in cm: 116x170x50
Art: Figurengruppe
Werkgruppe: S2a Altäre und Altarfiguren
Werkgeschichte: 1918 bat Weihbischof Dr. Senger Busch um eine Pietà aus Stein für einen geplanten Kriegergedächtnis-Altar, den die Mutter eines gefallenen Offiziers stiftete. Das Metropolitankapitel war überzeugt, „von Ihnen ein Kunstwerk zu erhalten, das sich würdig an die übrigen Skulpturen unseres Kaiserdomes anreiht, indem es religiöse Empfindung und künstlerischen Ausdruck vereinigt“, schrieb der Weihbischof an den Künstler. Der Altarentwurf von Busch von 1919 [s. S6b2] wurde vorgestellt. Eine Kommission entschied, an dieser Stelle kein neues Kunstwerk zu errichten. 1920 erhielt Busch einen neuen Auftrag für einen Kriegergedächtnisaltar aus Holz an der Stirnseite in der Nagelkapelle. Nach mehreren Entwürfen (Fotos Album II / 121-133) kam Busch zu der ausgeführten Version. Busch passte die Gruppe als breit angelegte Komposition einer Beweinungsgruppe der Stirnwand zwischen den Fenstern an. Das Gipsmodell ist signiert mit 6. 5. 1922. Der Kriegergedächtnisaltar mit der Beweinungsgruppe wurde 1922 aufgestellt. Busch benannte dies Werk "Pietà". Heute steht die Gruppe als Gefallenendenkmal ohne Altartisch auf seinem Sockel, der die Predella des Altares war. Am 25.2.1941 führte Geistl. Rat Heinz Mayer in Bamberg Busch von der Bahn in ein Hotel. Busch schrieb: "Jetzt kann es gleich fest an die Arbeit gehen", an welche, ist unklar.
Auftraggeber: Weihbischof Senger und Domkapitel; Stifterin: Mutter eines gefallenen Offiziers
Werkbeschreibung: Ins Auge fällt der waagrecht liegende tote Jesus auf Marias Schoß. Er ist in ein weißes Tuch gehüllt. Maria sitzt senkrecht und schaut in ruhiger Fassung mit verschränkt gefalteten Händen auf Jesus, dessen Haupt und Schultern rechts vom knienden Johannes gestützt werden. Links kauert Maria Magdalena. Sie hält die Beine Jesu und beugt ihr Haupt über sie. Ihre Haare liegen darauf, der Schleier verdeckt ihr Gesicht. - Ursprünglich stand die Gruppe auf einem Altar. Sie war rechteckig eingerahmt von Antiquaschrift an der Mauer und auf dem Sockel. Oben stand in großen Lettern der Vers „Die Seelen der Gerechten sind in der Hand Gottes. Weisheit 3,1. Ihre Namen leben von Geschlecht zu Geschlecht. Sirach: 44,14.“ Links und rechts war der Schriftblock mit den Namen der Gefallenen aus der Dompfarrei. Der Schriftblock auf der ehemaligen Predella ist erhalten: „Hinweg genommen hat der Herr alle meine Starken aus meiner Mitte – darum weine ich und mein Auge ist tränennass – umgekommen sind meine Kinder, weil übermächtig ward der Feind. – Klagelieder 1,15“.
Repliken: 1936 schuf Busch für Graf Ballestrem das Motiv der Beweinungsgruppe etwas kleiner aus Laaser Marmor für die Gruftkapelle in PL Rudno/Gliwice, ehemals Rudnau bei Gleiwitz/Oberschlesien. Die Figurengruppe kam zwischen 1978 und 1985 in die Friedhofskapelle. [s. S7a]
Abgüsse: Ein Bronzeguss etwa in Originalgröße kam 1936 an das Grabmal von Dr. August Geser-Rohner in CH Rebstein. Er steht heute mittig im unteren Friedhofsteil von Rebstein. [s. S7a] Ein Gipsabguss 98 x 148 x 46 cm, dat. 1936, wurde am 2.6.2018 in der 1.Kunstauktion im Sommerkeller Schönberg Passau angeboten.
Entwürfe: Eine Reihe von Entwürfen zeigt den Werdegang des breit angelegten Motivs. [s. Fotos NL: Album II/121-133] - Ein Tonentwurf einer Beweinungsgruppe (Foto von Karl Busch NL: Album IV/49-50)könnte für Bamberg 1919 oder 1922 gemacht worden sein, da es sich wegen der Predella um einen Altar handelt. Zwei Personen, Maria und Johannes, halten die Arme des sitzenden Leichnams, der zwischen ihnen frontal zu sehen ist. Auf einer Predella sind in der Mitte ein Kreuz und seitlich je zwei kleine Szenen angedeutet.
Quellen/Literatur: Werkkorrespondenz; - Werkkartei; - Fotos NL: Album II/121-133; - Vier Seiten Skizzen im Skizzenbuch; – Fotos von EOM 1998: zwei Entwürfe zur Pietà, 1919; - Ein neues Werk von Georg Busch. In: CK XIX (1922/23), S. 152 f.; - Rothes, W.: Georg Busch. In: KdV 50 (1923), S. 22, Abb. 20; - Doering, O.: In: Alte und neue Welt 62 (1. Nov. 1927), S. 99 f.; - Gotzes, A. In: Stadt Gottes 52/6 (3. 1929), Text und Abb. S. 259; - Senger: Neue Altäre. In: IV. Bamberger Festschrift zum Mitschülerfest Juli 1929; - Dresslers Kunsthandbuch 1930, S. 143, 21; - Die Katholische Welt 46/8 (8. 1934), S. 287 und Abb.; - Milutzki, W.: Kriegergedächtnis-Altar in der Nagelkapelle. In: Baumgärtel-Fleischmann, R.: Die Altäre des Bamberger Domes von 1012 bis zur Gegenwart. Veröffentlichungen des Diözesanmuseums Bamberg Bd. 4 (1987), S. 334 ff., Abb. 151 u. 152 (H 79 cm unrichtig); - Das gleich große Gipsmodell war in der 49. Auktion v. 24. 10. 2009 im Auktionshaus Schlosser, Bamberg; - Busch-Hofer, R.: Bildhauer Georg Busch. Lindenberg, 2013, S. 52, Abb. 69.