Weihnachtskrippe

Bildbeschreibung
Jahr: 1922
Ort: CH Tafers
Standort / Besitz: St. Martin
Verbleib: erhalten
Material: Holz
Maße in cm: 134x280
Art: Figurengruppen
Werkgruppe: S5 Weihnachtskrippen
Werkgeschichte: Die Weihnachtskrippe wird in der Pfarrkirche St. Martin in CH Tafers jährlich aufgestellt. 2011 wurde sie gegen Holzwurm behandelt, nicht neu polychromiert. Holzspalte bleiben bestehen.. Das Modell befindet sich in Teilen im Kloster Metten. 2012 integrierte die Leiterin der Pfarrgemeinde, Frau Kathrin Meuwly, in der Weihnachtspredigt der Christmette die Geschichte "Eine Ohrfeige zur rechten Zeit", wie der Vater des Krippenkünstlers Busch zu seiner Holzbildhauer-Ausbildung gekommen ist. (siehe www.bildhauerfamilie-busch.de)
Auftraggeber: Pfarrer Johann Zurkinden
Werkbeschreibung: Die Figuren sind vor einer weißen geschwungenen Mauer in drei Gruppen zusammengefasst: in der Mitte die Hl. Familie unter einem Vordach mit Cherubinen, links die Könige mit Gefolge, rechts die Hirtenfamilien. Anders als bei üblichen Krippendarstellungen zeigt Maria das auf der Krippe aufgestellte Kind den Betrachtern. Georg Busch erläuterte 1920 bei Zusendung des Entwurfsfotos dem Pfarrer seine Intention der Krippe: „Die ganze Auffassung ist auf das Religiöse gerichtet. Maria kniet demütig neben der Krippe, hält das in Windeln mit dem Rollband umwickelte Jesuskind in die Höhe, um es den besuchenden Hirten und Königen zu zeigen. Also auch den andächtigen Beschauern der Krippe soll es gezeigt werden. Der hl. Joseph steht besorgt dahinter, die Rechte auf das Futtergitter gestützt, mit der Linken als Fürbitter die Betreuer empfehlend. Köpfe der Cherubin bekrönen die heilige Familie. Die Hirten und Könige sind in massigen Gruppen gehalten, um beim Beschauer das Empfinden zu wecken, sich den Besuchern der Krippe anzuschließen. Hirten und Könige bringen Geschenke. Nahe der Krippe knien kleine betende Hirtenkinder, eines davon mit einem weißen Lämmchen, von einer Frau geleitet, dahinter drei Schalmei blasende Hirten, danach drängen sich andere Hirten herbei. Auf der anderen Seite haben die Könige ihre Geschenke ausgeteilt. Hinter den Königen bringt das Gefolge noch weitere Geschenke. Die Architektur muss den massigen Gruppen einen rührigen Hintergrund abgeben, um so das Ganze zu einer Wirkung zu bringen. Die Architektur ist eine Mauer; in einer Ecke ist der Stall eingebaut mit einem Vordach. Hinter Maria schauen in flachem Relief aus einem Seiteneinbau Ochs und Esel hervor.“ Dr. Johann Peter Kirsch, Prof. für Kirchengeschichte und christl. Archäologie in Fribourg, bekam den Entwurf zur Begutachtung: „Die Skizze, die Sie mir vorzulegen die Güte hatten und die mich als Originalwerk des mir wohlbekannten Professor Busch sehr interessierte, zeigt in der Tat den Meister in der plastischen Gestaltung. Der Aufbau und die Komposition sind vorzüglich. Die Auffassung und Durchführung der Idee sehr originell und künstlerisch. Es ist nicht der gewöhnliche Typus, sondern etwas Neues, und doch vollständig in der Tradition des Weihnachtsbildes. Die mittlere Gruppe, besonders die Haltung des Christkindes und der Gottesmutter sind herzig und innig und doch würdevoll und durchaus natürlich. Es ist eine neue Auffassung, die aber auf das Schönste wirkt und im Aufbau echt künstlerisch ist, mit dem Kopf des hl. Joseph als Abschluss und dem Christkind als Mittelpunkt. Dieses erscheint klar als die Hauptperson. […] Der ganze Entwurf ist jedenfalls ein hohes Kunstwerk und das Denkmal wird in Ihrer Kirche ein Monument von bleibendem Werte sein.“
Repliken: Repliken der Figuren, jedoch in völlig anderem Gehäuse schuf Busch 1923 für die Herz-Jesu-Kirche in Zürich-Wiedikon. Die Figurengruppen seitlich sind etwas verändert. Der einen Krug tragende Negerknabe links außen hatte hier keinen Platz mehr und blieb in Familienbesitz erhalten.
Quellen/Literatur: Werkkorrespondenz; Werkkartei; Foto Karl Busch, NL: Album II/12-14, D 333-334; - Jubiläums-Ausstellung der DG in der Residenz zu München (1922), S. 8, Nr. 101, Saal II; - Staudhamer, S.: 30 Jahre DG. In: CK XIX/1 (19222/23), Abb. S. 53; - Rothes, W.: Georg Busch. In: KdV 50 (1923), S. 21, Abb. 10; - Doering, O. In: Der Wächter (1923), S. 349; - Ders.: In: Alte und neue Welt 62 (1927), S. 100 f., Abb. S. 97; - Baechler, G., Pfr.; Mit neuen Augen die Weihnachtskrippe betrachten. Pfarrblatt Tafers, St. Martin 55/12, (12. 1993), mit Buschs Brief vom 25. 1. 1920 an Pfarrer Zurkinden und der Beurteilung von Dr. Kirsch; - Ders.: Unsere Krippe: ein Bilderbuch, das von der Liebe Gottes erzählt. In: Pfarrblatt 60/12 (12. 1998); - Busch-Hofer, R.: Blldhauer Georg Busch. Lindenberg 2013, S. 65.