Betendes Mädchen

Bildbeschreibung
Jahr: 1891
Ort: München
Standort / Besitz: Städt. Galerie Lenbachhaus
Verbleib: erhalten
Material: Marmor
Maße in cm: 78x56, Sockel H 92
Art: Figur
Werkgruppe: P3 Genre, Kinderszenen
Werkgeschichte: Vom Februar bis Mai 1891 zahlte Busch viermal Modellgeld, d. h. engagierte ein Mädchen als Modell. Tuschzeichnungen zeigen die Entwicklung des Motivs im Skizzenbuch 1891. Er stellte das fertig ausgearbeitete Gipsmodell der Figur "Das betende Mädchen" in der Münchner Jahresausstellung 1991 aus. Es gefiel, die Stadt München bestellte es (zu der Luitpoldstiftung) in Marmor für das damalige Kinderasyl in der Hochstraße 31. Das Kinderasyl wurde am 24.4.1944 während eines Luftangriffs schwer beschädigt und wieder aufgebaut. Danach wurde es in Münchner-Kindl-Heim umbenannt. wo das Werk stand. Ein Foto von ca. 1940 vom Verlag Gerhard Graeber zeigt es dort. Dr. med. Andrä fotografierte es 1956, als es auf dem Sockel im Garten des Heims stand.. 1962 zog das Münchner-Kindl-Heim nach Harlaching in die Oberbiberger Straße um. 1987 kam die Marmor-Skulptur ins Depot der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, wo es unter der Inventarnummer K 6193 steht.
Werkbeschreibung: Bei dem Exemplar aus Marmor sieht man noch genauer die Details an der Kleidung, am Rock kann man sogar die Naht genau erkennen. Ein Mädchen sitzt auf beiden Fersen. Es schaut in sein Gebetbuch, das es in den Händen vor sich hält. Der Haarzopf ist hinten zu einem Knoten gesteckt. Das Mädchen trägt ein am Rücken geknöpftes Mieder über Bluse und Rock. Der Rocksaum fällt links über den runden Sockel. Die detailliert ausgearbeitete Figur strahlt Sammlung und Ruhe aus. Busch schreibt einem Interessenten für eine Replik: "Die Intention, das ungestörte Versunkensein im Gebet, wirkt anregend auf Jung und Alt, das ist sein Zweck. ... Eine dem natürlichen Stoffe seiner Kleidung entsprechende Ausführung ergibt eine lebensvollere Wirkung."
Repliken: 1893 war die Skulptur aus Eschenholz (78 x 57,5 x 57,5 cm) in der Großen Berliner Kunstausstellung ausgestellt. Die (Alte) Nationalgalerie kaufte das Werk an aus den Mitteln des Kiß´schen Stiftungsfonds. Es befindet sich im Depot 55, Nr. B I 96. - 1907 war eine Replik aus Holz in Barcelona ausgestellt, welche die Stadt für ihr Städt. Museum erwarb. 68 cm hoch wurde das Werk auf runder Plinthe oft wiederholt. 1894: für Prof. Dr. Groos, Gießen; 1895: für Pfr. C. Detzel, St. Ingbert-Rohrbach, gekauft vom kath. Plegschaftsrat Tettnang; 1896: für den Verwaltungsausschuss der Lehrer, Witwen und Waisen, Speyer, durch Schulinspektor Matt; 1886: 1901: Dresden, Kunstausstellung. 1902: für Frankatur (Verlosung). 1902: Dortmund, für Bergwerksdirektor Emil Tilmann. 1903: Arnsberg an Landrichter Tilmann für Gustav Tilmann (Werkkorrespondenz); 1907 für die Städtische Galerie Barcelona (nach der internationalen Ausstellung in Barcelona; 1919: CH Tafers b. Fribourg, Vinzentinum (verschollen). 1920: München, Servitinnen (kriegszerstört), 1920: Gelsenkirchen an Bergassessor Schulze Buxhof, in Holz, abgetönt, dazu ein Sockel-Kästchen 52 x 55,3 cm entworfen und gezeichnet, (Werkkorrespondenz). 1941 Werther/Westf., Hermann Potthoff, Ausführung Joh. Sertl. (1928 erlaubte Busch dem Kunstmaler Theo Winter in Düsseldorf eine Kopie in Holz von dem Bronze-Figürchen anfertigen zu lassen lt. Werkkorrespondenz.) - „IN DEO“ ("Andacht") ist eine Replik aus Holz 1899 für die Ausstellung in St. Petersburg und in Prag benannt, 76 cm hoch und auf einer rechteckigen Plinthe (10 x 45 x 55 cm), die Marie Busch 1906 an die Armen Schulschwestern in Regensburg schenkte (ihr Vater Carl Mayer hatte sie 1902 erworben) und als Replik von 1917 in München im Gymnasium am Anger steht. Prof Rudolph Cammerer München Renatastr. erhielt 1922 auch ein IN DEO (Werkkorrespondenz).
Abgüsse: Kleinplastiken (30 x 18 x 20, Sockel Dm 25 cm) aus Bronze, Terrakotta, Hartgips, natur oder polychrom gefasst sind weit verbreitet. Sie sind mit dem Jahr 1893 signiert, hinten ist eingepresst: "Nachbildung verboten". Seit 1974 steht im Diözesanmuseum Freising der große Gipsabguss vom Atelier als „Lesendes Mädchen“. - Kleine Abgüsse aus Hartgips (ca. 30 cm hoch, polychromiert) stehen in München-Neuhausen, in Hanau-Steinheim, aus weißem Gips in Benediktbeuern, aus Porzellan in Surheim.(30 x 21 x 20 cm) in Familienbesitz. U. a. Im Juli 1901 goss laut Rechnung Gipsformator Kronberger "10 Stck. Betendes Mädchen". Die Fa. Passauer Porzellankunst, Äelteste Vokstedter Porzellanfabrik AG Abt. Passau, Rosenau b. Passau, goß im Januar 1929 zwei Betende Mädchen in zwei Größen. Von 1924 bis 1937 goss diese Firma mehrere Motive Buschs. - In Terrakotta wurde 1901 eines für 16,15 M. von der Fa. Villeroy & Boch verkauft. 1917 brannte Franz Scholze, München, einige Betende Mädchen. 1924 kam eines in Höhe 35 cm nach Berlin für Justizrat Pakscher (Werkkorrespondenz); Bronzegüsse: 1924 Dresden, in Bronze über Prälat Eberhard Klein Dresden an Prinz Friedrich Christian Herzog zu Sachsen (Werkkorrespondenz); 1926 Malang (Ost-Java): Im Auftrag des Majors Huber von Liebenau wurde ein Bronze-Abguss an den Administrateur Blydenstein nach Malang geschickt (Werkkorrespondenz). Ein Bronzeguss kam über den Handel in Familienbesitz. – Weitere Abgüsse sind verschollen.
Entwürfe: Entwürfe ?: 1890 ca.: Sitzendes lesendes Mädchen. Chieming und Benediktbeuern, Privatbesitz. Ton, 2 Bozzetti. Maße: 20 x 11 x 12 cm. - Beide sehr ähnliche Bozzetti aus Ton sind bei Nachkommen Buschs erhalten. Sie sind möglicherweise Entwürfe zum Motiv „Betendes Mädchen“. - Ein sitzendes Mädchen liest in einem Buch, das es auf seinem Schoß liegt. Durch die verschränkten Hände hat das Buch einen Halt. Bei einem der Bozzetti sitzt das Mädchen aufrechter und neigt nur den Kopf über das flache Buch, beim anderen beugt sich das Mädchen mehr über das Buch, das etwas schräger liegt, der Boden unter den Füßen ist weiter nach vorne gezogen.
Quellen/Literatur: Werkkartei; - gipsformator Theodor Kronberger: Rechnung vom 28.9.1901; - Fotos NL: Album V/100-103, V/160 Marmor vor Stellwand, VII 518-519; - Foto mit Sockel im Garten des Münchner Kindl-Heims; - Busch, G.: Skizzenbuch 1891, S. 1-4. Im StadtAM; - Postkarte der GmbH; - Katalog der Ausstellung für christliche Kunst. Mainz, 39. Katholikentag (20. 8.-4. 9. 1892), S. 10, Nr. 25; - Jahresmappe der Dt. Gesellschaft f. christl. Kunst 1893 Abb. Tafel 7, biogr. Notiz letzte Textseite; - Friedensblätter, Organ des Psalmenbundes und des Gebetsvereins U. O. U. 2/6 (1897/98), Abb. S. 189; - Verlobungsalum 1902/03: "zu der Luitpoldstiftung"; - Mitteilungen der Herderschen Verlagshandlung, Neue Folge 7 (1907), Abb. S. 15; - Doering, O.: Georg Busch. In: CK VIII/6 (1911/12), S. 148, Abb. S. 146; - Jansa. In: Deutsche Bildende Künstler, 1912, S. 86;- Zils, W. (Hg.): Geistiges und kulturelles München in Selbstbiographien.. München, 1913, S. 46; - Doering, O. In: Salonblatt 8/40 (4. 10. 1913), S. 1377-1379; - Ders. In: Arte cristiana II (1914), S. 226 m. Abb.; - Ders. In: Sonnenland (15. 1. 1914), S. 303; - Ders.: Georg Busch. München, 1916, S. 82 m. Abb.; - Scheuber, J. In: Der Gral 10/8 (5/1916), S. 399f; - GmbH-Prospekt 1460 (2/1918), Nr. 11; - Sinzig, P. OFM: Menina rezando. In: Voces Petropolis, Brasilien, 14/6 (16. 3. 1920), Abb. S. 332; - Katalog der Jubiläumsausstellung der DG. München 1922, S. 8, Nr. 108; - Doering, O. In: Der Wächter (1923), S. 348; - Rothes, W.: Georg Busch. In: KdV 50 (1923), S. 14, Abb. 3; - Monatsblätter der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria 34/10 (1927), Abb. S. 291; - Stadt Gottes 52/6 (1929), Abb. S. 259; Dressler, W. O. Kunsthandbuch, Berlin 1930 II, S. 143; - Kreitmaier, J. In: Der Katholik 10 (7. 3. 1937), Abb. S. 7; - Anon.: Prof. Georg Busch. In: Kettelerlicht 32/19 (6. 5. 1937), S. 1; - Am frühen Morgen 14/22 (15. 11. 1938), Abb. S. 83; - Münchner Kath. Kirchenzeitung 31/29 (17. 7. 1938) Abb. Titelseite; - Deutsche Mädchenzeitung 71/1 (1939) Abb. Titelseite; - Fuchs, Dr. In: Der 7. Tag, Sonntagsblatt 11/6, Text und Abb.; - Gotzes A.: Der Bildhauer Georg Busch. In: Düsseldorfer Nachrichten 103 (14. 4. 1944), S. 3; - Postkarte GFCHKM Nr. 20 der Ges. f.; christl. Kunst GmbH; - Postkarte Bronzeabguss: Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg, 2012, Nr. 2728/12; - Busch-Hofer, R.: Bildhauer Georg Busch. Lindenberg, 2013, S. 8, 38, 43, Abb. 6, 20, 38, 45, 212.