Kreuzweg I

Bildbeschreibung
Jahr: 1906 -13
Ort: München-Mitte
Standort / Besitz: St. Paul, Kirche
Verbleib: erhalten
Material: Holz
Maße in cm: 75x105x25
Art: Figurengruppen
Werkgruppe: S3b Kreuzwege
Werkgeschichte: Die einzelnen Stationen von Busch wurden zwischen 1906 und 1913 je nach bereitgestellter Geldstiftung einer Station an den seitlichen Kirchenwänden der neugotischen, 1906 eingeweihten neugotischen Kirche von Georg von Hauberrisser in das von ihm vorgegebene Rahmengehäuse gestellt. Im April 1911 waren laut einer Notiz von Staudhamer zehn Stationen aufgestellt, die XIV. Station kam im Mai 1913 in die Kirche. Im Krieg wurden die Stationen I–III zerstört, IV-V stark beschädigt und VI-VII weniger. Die Stationen VIII-XIV blieben unversehrt. Karl Busch brachte 1949 die noch vorhandenen Modelle nach St. Paul, damit restauriert bzw. Fehlendes nachgebildet werden konnte. Die Rahmengehäuse wurden laut Goetz „um 1960 abgenommen und die einzelnen Stationen auf Halterungen gesetzt.“ Etwa 1990 wurde diese Montierung nochmals verändert. Nur die VIII. Station erhielt ein altes Rahmengehäuse zur Erinnerung an die frühere Art der Aufstellung. Die Datierung wird in der Literatur mit 1906-1912 angegeben, Busch datiert 1906-1913 in seiner Selbstbiografie.
Auftraggeber: Pfr. Huber durch Architekt Georg von Hauberrisser, DG-Mitglieder, 14 Stifter
Werkbeschreibung: Wer die St. Paulskirche in München nahe der Theresienwiese betritt, wird bald in Bann gezogen von den vierzehn vollplastischen Kreuzwegstationen, die ohne das ehemals vorgegebene neugotische Rahmengehäuse in Augenhöhe gut sichtbar angebracht sind. Über diesen Kreuzweg schreibt Oskar Doering 1916: „Nennt man moderne Skulpturen […], so muss man den hl. Kreuzweg von Georg Busch in der Münchner St. Pauls-Kirche obenan stellen. […] Die Kompositionen sind voll ruhiger Geschlossenheit, ruhige Feierlichkeit herrscht in den Linien; die Verbindung der idealen und realen Elemente kennzeichnet aufs stärkste die Eigenart des Künstlers. Die Darstellungen sind vereinfacht bis zum Notwendigsten.“ Der Ausdruck in Haltung, Gebärde und Gesichtsausdruck der Personen sind sehr sprechend. Man fühlt, wie sie mit Jesus leiden oder wie sie Hohn und Spott zeigen. Man hört gar die Nagelschläge, weil Maria und Johannes sich die Ohren zuhalten. Weiter schreibt Doering: „Von besonderer Schönheit ist die Durchführung der Figur Christi. Wie er in herrlicher Gottergebenheit und Hoheit dasteht, als er das Kreuz auf sich nehmen soll; die Bewegung, mit der er beim ersten Falle in sich zusammensinkt; die liebevolle Gebärde, womit er die Mutter begrüßt; das allmähliche Nachlassen seiner Kräfte; die Scheu in seiner Haltung, als er der Kleidung beraubt wird; der Schmerz bei der Annagelung – das alles kommt mit Feinheit und Neuheit zur Aussprache. Neu ist auch besonders die Auffassung bei dem Begräbnis.“ Bei der XIV. Station tragen Jesu Freunde die Bahre mit dem Leichnam Jesu. 1912 entwickelt Busch dieses Motiv weiter in der Freiplastik Grabtragung Jesu. [s.S7a], die er "Begräbnis Christi" beanannte. Rothes erläuterte: Der Kreuzweg ist Buschs „umfangreichstes Werk vom Leiden Christi, einer der eindrucksvollsten Kreuzwege. Während des Schaffens (1906-12) vertieft er sich immer mehr in den Stoff, überwand die große Schwierigkeit, viele dramatisch bewegte Personen in engen Raum zu zwängen, immer leichter, erstaunlicher. […] Reiches Empfinden entquillt allüberall, und eine Fülle nicht aus der Tradition genommener, nein selbständig empfundener, neuer feiner Motive erregt unsere Bewunderung.“ Und Doering schrieb 1923: „Einfachheit, Wahrheit, Schönheit und Kraft sind die Eigenschaften, welche Buschs Kunst mit der Religion gemeinsam hat, derem Dienste sie geweiht ist.“
Quellen/Literatur: Werkkorrespondenz; - Werkkartei; - Fotos NL: Album II/95-105; - Staudhamer, S.: Notiz. In CK VII/8 (1910/11), Beil. S. 237.Doering, O. In: CK VIII/6 (1911/12), S. 151f.; - Jansa: Deutsche Bildende Künstler in Wort und Bild (1912), S. 86; - Staudhamer, S. In: Der Pionier 4/6 (1912), S. 44; - Busch, G. In: Zils, W. (Hg.): Geistiges und kulturelles München in Selbstbiografien. München, 1913; - W., G. J.: Zum Kreuzweg in der Paulskirche. In: Münchner-Augsburger Abendzeitung 257 (17. 9. 1913); - Braun, A.: Der Kreuzweg von Prof. Gg. Busch in der S. Paulskirche. In: Münchner Zeitung 217 (ca. 17. 9. 1913); - Der neue Kreuzweg für die S. Paulskirche. In: Münchner Neueste Nachrichten 478 (18. 9. 1913); - Merx, M.: Der hl. Kreuzweg in der Münchner S. Paulskirche. In: Bayer. Kurier 121 (19. 9. 1913), Unterhaltungsbeilage, größerer Artikel; - Wurm, A.: Der neue Kreuzweg in der Paulskirche zu München. In: Augsburger Postzeitung 451 (1. 10. 1913), S. 2, 3 Spalten; - Ders.: Der Kreuzweg zu Büchold. In: Augsburger Postzeitung 35 (1913, Vergleich); - Waiß, J.: Der neue Kreuzweg in der St. Paulskirche zu München. In: Kölnische Volkszeitung 54/879 (11.10. 1913), S. 2; - Damrich, J.: Der neue Kreuzweg in der S. Paulskirche (längere Würdigung); Neues Münchner Tagblatt 304 (31. 10. 1913), S. 9; - Der heilige Kreuzweg von Prof. Gg. Busch in der Paulskirche in München. Postkartenserie mit 6-seitigem Begleittext, GmbH; GFCHKM Nr. 2501-2514; - Bildchenserie GFCHKM Nr 2901-2914 mit Text; - Doering, O. In: Arte cristiana II/8 (15. 8. 1914), S. 229; - Ders.: Georg Busch. München 1916, S. 26-32; 4 Abb.; - Ders.: Georg Busch. In: Deutscher Hausschatz 43/18 (1916/17), S. 655ff, Abb. S. 655; - Scheuber, J. In: Der Gral 10/8 (1916), S. 404; - Kreitmaier, J. SJ: In: CK XVIII (1921/22), S. 70;- Rothes, W.: Georg Busch. In: KdV 50 (1923), S. 21; - Doering, O.: Der Christustyp bei Busch. In: Der Wächter (1923), S. 350; - Goetz, Chr.: „…ein starkes Festungswerk für das Heil…“. In: Schmid, M. A. (Hg.): St. Paul in München. Lindenberg 2010: Kunstverlag Josef Fink, S. 23 ff., 32 und 85 f.; - Schmid, M. A.: Kleiner Kunstführer von St. Paul, Lindenberg 2012; - Busch-Hofer, R.: Bildhauer Georg Busch. Lindenberg, 2013, S. 57, Abb. 88, 96-98.