Opferstock "Für die Armen"

Bildbeschreibung
Jahr: 1889
Ort: München-Neuhausen; u. a.?
Standort / Besitz: Privatbesitz
Verbleib: erhalten
Material: Bronze, Terrakotta, Gips
Maße in cm: 55x25x21, auch auf Holzsäule H ca. 1m
Art: Figurengruppe
Werkgruppe: P3 Genre, Kinderszenen
Werkgeschichte: Das erste Ausstellungsstück des Opferstocks "Für die Armen" von Busch 1889, einen polychromierten Terrakottaabguss, kaufte seine Gönnerin Fräulein von Berckholtz für 36 Mark, Ende Nov. 1889 schenkte Busch einen Abguss an die Gönnerin Frau v. Kotzebue. - Busch ließ den Opferstock auch als benutzbare Sparkasse herstellen. Die große Ausführung (55 cm ohne Plinthe) konnte man entweder als Skulptur oder als Sparkasse auf einer Säule mit Schublade bestellen. Die kleine, nur 26 cm hoch, konnte man aus Gips als Kleinplastik erwerben. Beide Ausführungen wurden insbesondere 1889 und 1890 vielfach gekauft. - Ab 1893 war das Werk nicht mehr ausgestellt. Kollege Brühl kaufte Ende 1892 die Vervielfältigungsrechte für Abgüsse in Gips und Terrakotta ab. Busch behielt sich die Rechte für Holz und Bronze vor. 1893 kaufte die Freiburger Münsterlotterie eine 58 cm hohe Figurengruppe, vermutlich aus Bronze.
Werkbeschreibung: Ein Mädchen hebt mit einiger Mühe auf den Zehenballen stehend ihren kleinen Bruder empor, sodass dieser gerade eben eine Münze in den Schlitz des Opferstocks hineinwerfen kann. Die geflochtene Einkaufstasche des Mädchens lehnt am Fuß des Opferstocks. Alles, die Personen, Opferstock und Tasche sind detailliert ausgestaltet. - Bei der Version der Sparkasse steht die 55 cm hohe Bronzeplastik auf einer ca. 1 m hohen quadratischen Holzsäule, die oben eine absperrbare Schublade beinhaltet. Einwurfschlitze sind über dieser und am Opferstockkasten der Plastik. An der Säulenfront ist ein Bild aufgeklebt, das einen alten Mann und ein Kind zeigt. - Die im Familienbesitz erhaltenen Exemplare waren 2012 in der Gedächtnisausstellung zu Buschs 150. Geburtstag im Kreuzgang des Klosters Benediktbeuern ausgestellt, ein 55 cm hoher Bronzeabguss auf der hohen Holzsäule sowie ein 26 cm hoher weißer Gipsabguss.
Repliken: Dieses Motiv stellte Busch auch in Holz her.
Abgüsse: Laut Rechnung vom 12. 7. 1889 stellte Theodor Kronberger vierzehn Abgüsse aus Leimform her, einen halbierten, kleineren, und davon neun Abgüsse. Vom Tonmodell machte er einen Gipsabguss und zehn „halbierte“. Ende 1889 und 1890 entstanden weitere 37 Abgüsse. Konrad Barth goss und fasste 17 „Opferstöcke“ in Terrakotta und Gips polychrom. - Am 20. 12. 1892 verkaufte Busch das Vervielfältigungsrecht des großen und kleinen Opferstocks (wie beim Motiv „Vater unser“) für Gips und Terrakotta um den Preis von 180 Mark an einen Kollegen. Auch die vorhandenen gegossenen oder ausgestellten Exemplare gingen mit Übernahme der Herstellungskosten in den Besitz des Käufers über. Er sei herrisch aufgetreten, notierte Karl Busch. (Busch brauchte nach seiner Italienreise und der ehrenamtlichen Zeit für die Gründung der Dt. Gesellschaft für christliche Kunst wohl dringend Geld. Die vereinbarten 180 M erhielt er jedoch auch nach den versprochenen ein- bis eineinhalb Jahren nicht.) 1897 musste Busch ein Exemplar der Figurengruppe für 36 Mark von ihm erwerben. Er bekam dafür am 3. Juli vom Diakonischen Werk Bethel in Bielefeld 50 Mark plus 6 Mark für Bemalung. Im März 1896 ließ Busch einen Opferstock Für die Armen fotografieren, im Dez. 1899 zwei Bronzegüsse, im August 1901 einen ("mit Kindergruppe") anfertigen. Vermutlich erhielt Busch wieder die Erlaubnis dafür.
Quellen/Literatur: Einnahmen-/Ausgabenbuch 1889-1898; -Photograph Adalbert Werner: Rechnung v . 9.1.1902; - Rupp´sche Erzgießerei Hans Klement: Rechnung 1902; - Werkkartei; - Fotos NL: Album V/95-96, V/155, VII/ 515; - Busch-Hofer, R.: Bildhauer Georg Busch. Lindenberg, 2013, S. 89 und 38, Abb. 32.