Der Schreihals

Bildbeschreibung
Jahr: 1892
Ort: Freiburg i. Br.
Verbleib: ungeklärt
Material: Buchsbaumholz
Maße in cm: H 41
Art: Figur
Werkgruppe: P3 Genre, Kinderszenen
Werkgeschichte: Anfang 1892 zahlte Busch viermal Modellgeld für den kleinen Buben und für das Mädchen in diesem Gewand. Das erste Exemplar wurde aus Buchsbaumholz hergestellt und auf Ausstellungen angeboten, 1893 für 600 M, 1894 für 350, 1896 für 320 und 1897 für 230 M. Ein Verkauf ist im Ausstellungsbuch nicht eingetragen. Die Freiburger Münstebaulotterie erwarb den Schreihals aus Buchsbaumholz. - Gipsabgüsse vom Schreihals verkaufte Busch 1892 bis 1896 laut Einnahmen etwa zehnmal für 35.- M., an Wiederverkäufer für 26.- M., insbesondere an den Kunstgewerbeverein, aber auch an die Galerien Gurlitt Berlin und H. Putze. Laut Rechnung vom Photographen Werner machte dieser im Januar 1896 verschiedene Fotos vom Schreihals.
Werkbeschreibung: Ein Mädchen versucht, sein etwa ein-bis zweijähriges Geschwisterchen mit den Armen festzuhalten, jedoch es bäumt sich mit allen Kräften auf und stemmt sich dagegen. Es brüllt aus voller Kehle. In dem offenen schreienden Mund sieht man Zähnchen und die Zunge. Mit seiner Rechten zieht das Kind an den Pony-Haaren des Mädchens, mit seiner Linken zieht es sich die Mütze vom Kopf. Das linke strumpflose Füßchen streift den Strumpf vom rechten Bein ab. Das Mädchen ist sichtlich in Not. Es stützt sein rechtes Bein auf und greift mit dem rechten Arm um des Bübchens Bauch, während der linke Arm von unten den Oberkörper hält. Das Mädchen ist mit Rock, Mieder und Bluse bekleidet. Die Haare hängen offen herab, die Deckhaare sind zum Zöpfchen geflochten. Oskar Doering beurteilt 1916 das Können von Busch hier wie folgt: „Die Szene ist mit voller Sicherheit aus dem Leben gegriffen. Die Zeichnung der Körper beweist, dass Busch bereits damals jeglicher Schwierigkeit gewachsen war. “
Abgüsse: Der Schreihals wurde in Hartgips, Gips, weiß oder polychrom gefasst, abgegossen in den Maßen 31 x 15 x 15 cm. Bekannt sind drei Abgüsse im Familienbesitz, einer davon ist polychrom gefasst.
Quellen/Literatur: Einnahmen-/Ausgabenbuch; - Werkkartei; - Liste zum Verlobungsalbum 1902; - Fotos NL: Album V/106-109, D 320-323, VII/521-522; - Doering, O.: Georg Busch. In: CK VIII/8 (1911/12), S. 148; - H., B.: Der kleine Schreihals. In: Kinderlegion 11/1 (1913), S. 16; - Arte cristiana II/8 (15. 8. 1914), Text u. Abb. S. 226; - Doering, O.: Georg Busch. München, 1916, S. 82 ff., Abb. 83; - Sinzig, P. OFM. In: Voces de Petropolis, Brasilien, 14/6 (16. 3. 1920), S. 330f.; - Deutsche Mädchenzeitung 71 (7. 1939), Abb. S. 199; - Postkarte Foto Karl Busch, München: Schnell & Steiner Nr. 1602, 1962; - Postkarte Foto: Roswitha Busch-Hofer.. Kunstverlag Josef Fink, Nr. 2570, 2011; - Metz, Chr. In: Busch-Hofer, R.: Bildhauer Georg Busch. Lindenberg, 2013, S. 15, Abb. 5 und S. 37.